Ausbildung

Ihr wollt es also wagen? Habt einen Tandemsprung gemacht oder stürtzt euch im wahrsten Sinne des Wortes ins unbekannte? Ihr plant eure Ausbildung !

Soweit, sogut. Wie geht es nun los?

Grundsätzlich gibt es im Fallschirmsport zwei verschiedene Ausbildungsvarianten:

  1. die konventionelle Ausbildung
  2. die AFF Ausbildung (Accelerated FreeFall)

Die konventionelle Ausbildung ist die ältere der beiden Möglichkeiten, wird jedoch immer seltener genutzt und wird wohl in Zukunft gänzlich der AFF Ausbildung weichen.

Unabhängig davon, für welche Variante ihr euch entscheidet, stehen zunächst zwei Tage Theorie auf dem Plan, um euch auf euren ersten freien Fall vorzubereiten. Der Schwerpunkt liegt vornehmlich auf möglicherweise auftretenden Problemen nach der Öffnung eures Schülerfallschirms und wie diese behoben werden können. Oder auch nicht... ;)

Allseits beliebt während dieser zwei Tage ist der sogenannte „Hänger“, ein in der Decke verankertes Gurtzeug, an dem sämtliche auftretenden Probleme simuliert werden können, eine Menge Lacher sind garantiert, man stellt sich anfangs häufig recht dämlich an, auch wenn es noch so einfach aussieht.... ;)

Die konventionelle Ausbildung...

... beginnt mit sechs sogenannten „Automatiksprüngen“. Das Fallschirmsystem ist hierbei über eine Leine mit dem Flugzeug verbunden, die automatisch nach dem Absprung den Hauptfallschirm aktiviert. Die Absprunghöhe beträgt hierbei ca 1500 Meter, was dem Schüler weit über 1000 Meter Fahrt am offenen Schirm ermöglicht, das kann bei großen Schülerschirmen schonmal bis zu 10 Minuten dauern ;)

Sind diese Sprünge erfolgreich und ohne Krater im Boden absolviert, zieht der Schüler nun seinen Fallschirm zukünftig selbst. In mindestens 20 manuel ausgelösten Folgesprüngen wird die Freifallzeit durch größere Absetzhöhe permanent gesteigert, bis man schließlich mit zwei Prüfungssprüngen sein erworbenes können unter Beweis stellen kann.

Preislich liegt der Automatikkurs für die ersten sechs Sprünge bei ca 350 euro für Studenten.

Dieser grobe Überblick über die konventionelle Ausbildung sollte genügen, da wie bereits erwähnt, die gängige Variante die AFF Ausbildung darstellt, auf die ich etwas näher eingehen will.

Die AFF Ausbildung....

...gliedert sich in sieben verschiedene Level, die zur zufriedenheit des Sprunglehrers erfüllt werden müssen. Es wird von Beginn an aus 4000 Metern abgesprungen, die Freifallzeit beträgt etwa 50 Sekunden.

Level 1: Es begleiten euch im Freifall zwei erfahrene Lehrer, die euch vom Exit in 4000m bis zum „Pull“ in 1500m nicht loslassen, die Lehrer fassen euch rechts und links an Griffleisten an Beinen und Armen und stabilisieren euren Freifall.

Ihr steht in der Tür, ein Lehrer hängt draußen am Flugzeug, der andere steht innen:

-ihr ruft dem innren Lehrer zu „CHECK IN“ und wartet auf sein OK

-ihr ruft dem außeren Lehrer zu „CHECK OUT“ und wartet auf sein OK

-Ihr gebt das Kommando „HOCH, RUNTER, RAUS“ und springt.

-Die Lehrer stabilisieren euren Freifall und ihr ruft dem linken Lehrer die aktuelle Höhe zu, die ihr auf eurem Höhenmesser ablesen müsst und wartet auf ein OK oder ein Handzeichen des Lehrers, zum korrigieren eurer Haltung, dies nennt sich Beobachtungskreislauf.

-Das selbe nun mit dem rechten Lehrer ;)

-Es Folgen drei „Scheingriffe“ bei der ihr mit der rechten Hand zu eurem Pullout-Griff fasst, um sicher zu gehen, dass ihr ihn beim richtigen pull trefft.

-alle 3 Sekunden Höhenkontrolle

-bei 1600m folgt der „wave off“, ein Zeichen für eventuel über euch befindliche Springer, dass ihr pullen wollt.

-bei 1500m: pull

 

Level 2:

-Beobachtungskreislauf

-zwei Scheingriffe

-Drehung um 90°, Drehung 90° zurück

-ab 1800m permantene Höhenkontrolle, 1600m wave-off, 1500m pull

Level 3:

-Beobachtungskreislauf

-ein Scheingriff

-Lehrer lassen den Schüler los, stabilisieren nur im Notfall

-ab 1800m permanente Höhenkontrolle, 1600m wave-off, 1500m pull

Level 4:

-Novum: Nur noch 1 Lehrer springt mit euch mit!

-Lehrer steht beim Exit außen, ihr dreht euch im Freifall 90° zum Lehrer hin, stoppt die Drehung und dreht euch wieder 90° weg.

Level 5:

-der Lehrer fasst euch beim Exit NICHT mehr, sondern springt euch unmittelbar hinterher.

-Lehrer positioniert sich vor euch, ihr macht eine 360° Drehung und fixiert den Lehrer, das selbe in die andere Richtung.

Level 6:

-Ihr probiert einen Salto rückwärts und stabilisiert euch in Bauchlage, 360° links, 360° rechts.

-Seid ihr noch hoch genug (je nach vorgabe) geht ihr in Trackposition (ihr fliegt Strecke horizontal)

Level 7:

-„Dive-Exit“, d.h. kopfüber aus dem Flugzeug. Es folgt vom Sprunglehrer individuelle Programm aus Salti, Drehungen und Track.

Habt ihr alle 7 Level zur zufriedenheit eurer Lehrer absolviert seit ihr graduiert und dürft fortan alleine weiterspringen, nachdem euch eurer Lehrer am Boden gebrieft hat. Gratulation!

!!! Die Beschreibung ist natürlich nur exemplarisch und variiert von Sprungplatz zu Sprungplatz, trifft aber im Großen und Ganzen den Kern der Sache  !!!

Ihr absolviert nun weitere 16 Sprünge mit festgelegtem Programm, allerdings begleitet euch kein Lehrer mehr im Flugzeug. Sprung 24 und 25 sind in aller Regel die Prüfungssprünge, bei denen ihr eurer bisher gelerntes Präsentieren könnt.

Willkommen in der Familie.... !

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Last updated 331 days ago by stephan